Dienstag, 17. Februar 2015

Angst vor dem nächsten Tag

Dass ich nachts kreativer bin, weiß ich, das nutze ich auch gerne, aber irgendwie ist es zu einer rechten Regelmäßigkeit geworden, dass ich lange aufbleibe. Das gefällt mir eigentlich nicht, zumal ich einfach im Kopf dann wacher bin als tagsüber (was mir wiederum sehr gut tut), doch es hat für mich schon eine Art Gewohnheit angenommen und ich musste mich fragen, wieso.
Was hält mich davon ab, beizeiten ins Bett zu gehen? Was hält mich davon ab, nicht mehr so früh aufzustehen?
Zu zweiter Frage hatte ich sehr schnell eine Antwort: Egal wie früh ich zu Bett gegangen bin (auch schon in der Vergangenheit, nur seit Monaten richtig schlimm), morgens aufzustehen bzw., um genau zu sein, wach genug zu werden, um aufstehen zu können, ist ein rechter Kraftakt. Es ist so anstrengend, aufzustehen morgens. Wenn der Wecker klingelt und ich ihn ausmache, um aufzustehen, schlafe ich direkt wieder ein ohne es zu merken. Irgendwann folgt in meinem Kopf kein Reiz mehr, der das Weckerklingeln mit Aufstehen verbindet und ich kann noch das unangenehmste Klingeln ohne mit der Wimper zu zucken, an mir vorübergehen lassen. Ich liege zwar wach, aber ich kann nicht wirklich einen Muskel rühren vor Müdigkeit. Kaum, dass der Wekcer dann aufgehört hat zu klingeln, bin ich auch direkt wieder eingeschlafen und so wird es meist nichts vor halb elf oder elf Uhr; was mich so ärgert. Jeden Tag nehme ich mir vor, früher aufzustehen und doch geht es meistens nicht. Dann bin ich so neben der Spur, ich kann nicht klar danken. Das frustriert mich zunehmendst.

Und warum bleibe ich nun vermehrt so lange wach? Ich habe einfach Angst vorm nächsten Tag. Angst davor, wieder nicht das zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe und Angst davor, dass damit auch wieder die Aufgabe steht, meine Dinge geordnet zu bekommen. Es fühlt sich aktuell alles so schwer und mühselg an, ich habe Angst vor fast allem und ich weiß nicht, warum. Ich brauche für alles so viel Unmengen an Energie, um auf Trabb zu kommen, um mich mit Freunden zu treffen, um meinen Aufgaben gerecht zu werden ... nur wieso?

Irgendwo muss ich einen Anfang finden, das schaffe ich nur nicht. Aber wieso? Fragen, die vermutlich nur ich mir selbst beantworten kann.

Ärztepech

Manchmal frage ich mich, wieso manche Mitmenschen überhaupt Arzt geworden sind, wenn sie einen anderen Menschen so unmenschlich oder ungebührlich behandeln. Ich meine, wo haben die das gelernt, dass Menschen mit einer körperlichen Behinderung auch zwangsweise eine geistige besitzen und man sie wie kleine Kinder behandeln soll? Wo haben die das nur her? Als mein Hausarzt mir riet, dass ich doch einmal zu einem Neurologen solle wegen meiner beeinträchtigenden Müdigkeit, war mir schon ganz bange da ich in der Vergangenheit schon diverse Erfahrungen mit Ärzten machen durfte. Üblicherweise bleibe ich bei einem Arzt, wenn ich einmal Vertrauen zu ihm gefunden habe, vorher suche ich solange, bis ich einen gefunden habe; das liegt sicherlich nicht nur daran, dass ich behindert bin; jeder von uns hat das Bedürfnis, ein Gefühl von "gut aufgehoben zu sein" haben zu wollen; vor allem, wenn es um unsere Gesundheit geht. Daher bin ich auch bei meinem Hausarzt geblieben, obwohl er nun nicht mehr fußläufig oder "mal eben" mit dem Bus erreichbar ist; ich bin bereit, mit 39°C Fieber zu ihm zu fahren, egal wie schlecht es mir geht, wenn ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung brauche oder mir nicht sicher bin, woher das aktuelle "Wehwechen" kommt; oder einfach zu kommen, wenn mir etwas komisch oder zu lange vorkommt; dahingehend wurde ich schon gut trainiert. Das muss ich aber nicht tun. Er kommt auch zu mir nach Hause, wenn es mir schlecht geht; sogar eher, als wenn ich danach fragen würde, auch, wenn es nicht in seinem Bereich liegt (es gibt da irgendso eine Regelung, meine ich).
Warum habe ich aber so ein Vertrauen zu ihm? Eigentlich ganz simpel zu beantworten: Er hört zu und nimmt einen auch Ernst; und er nimmt sich die Zeit und fertigt nicht einfach nach Routine ab, wie es so viele Ärzte tun. Mittlerweile hat er auch ein sehr gutes Gespür dafür entwickelt, zu entdecken, wo der Schuh drückt, ohne dass ich es sagen muss. Was ich aber auch sehr schätze ist, dass er nie schnell bei der Hand ist, mir irgendwas zu verschreiben, stattdessen nennt er mir "alternative" Dinge, natürlich solange es bei mir nichts "Ernstes" ist.

Als ich nun einen Neurologen suchen musste, bin ich leider direkt an den falschen geraten; er hat nicht nur unnötige Untersuchungen gemacht, er hat mir auch gar nicht zugehört, mich wie ein kleines Kind behandelt und mir davon abgeraten, aufgrund meiner Behinderung eigene Kinder zu bekommen und stattdessen erstmal in die genetische Beratung der Uniklinik zu gehen ... muss ich mehr sagen? Am Ende hat er mir einfach gesagt, ich solle mich gesünder (hat er mich je nach meiner aktuellen Ernährung gefragt? Nein!) ernähren und mehr Sport treiben (obwohl ich ihm mehrmals gesagt habe, dass ich erst recht beim Sport fast im Stehen einschlafen könnte!). Mehr nicht, er hat es einfach als Lappalie abgetan.
Ein anderes Mal kann ich mich an einen Orthopäden erinnern, der dann sein ganzes Personal plötzlich ins Sprechzimmer holte um allen meine Hände und Füße zu zeigen, weil er so begeistert war, da er es nur aus Lehrbüchern kannte ...
Und von der Uniklink ... kann man Menschlichkeit mit keinem Zipfelchen erwarten; das haben die dort vermutlich nicht einmal in Lehrbüchern gesehen. Ich meine, wer reißt eine frisch an der Wirbelsäure operierte Patientin und mit einem Schlauch in der Seite, grob und ruckartig an beiden Armen hoch, nur um die Röntgenplatte aufs Bett zu legen und die Patientin dann einfach fallen zu lassen? Ohne ein einziges Wort zu sagen? Ohne die Ausrufe vor Schmerz wahrzunehmen? Nur damit mir das dort stationierte Pflegepersonal nicht glaubt und meint, ich hätte mir das wegen all der Schmerzmedikamente eingebildet? Diese Zeit in der Uniklinik war der reinste Albtraum; ich habe heute noch immer wieder Albträume von dort. Allein wenn ich den Namen schon höre, bekomme ich heute noch Bauchschmerzen. Für die war ich nur ein Forschungsobjekt, obwohl ich meine Zustimmung nicht gegeben habe, hat man Fotos von Händen und Füßen gemacht, als ich mich nicht mehr wehren konnte. Welcher Arzt macht denn sowas bitte? Welcher Mensch kann so etwas mit seinem Gewissen vereinbaren?
Manche meinen ich würde alles zu persönlich nehmen, ich würde es mir nur einbilden, dass es etwas mit meiner Behinderung zu habe ... aber diese Leute waren nicht dabei. Ich kann durchaus unterscheiden zwischen Persönlichem und Fachlichem; und vor allem auch Moral.

Aktuell suche ich einen neuen Hautarzt; der, zu dem ich bisher gegangen bin, nimmt mich nicht für voll und glaubt mir nicht, dass ich eine allergische Reaktion oder was auch immer das ist, nur an den Handinnenflächen habe und sonst nirgendwo. Als es etwas Offensichtliches war, hat er mich ganz normal behandelt; doch jetzt, wo ich über zwei Monate auf einen Termin warten muss, wo doch schon längst die Reaktion verschwunden ist und ich ihm das erklären will, glaubt er mir nicht, tut die Sache einfach ab und behandelt einen auch nur wie ein Kind. Und will sinnlose Tests machen. Was soll das? Dumm bin ich doch längst nicht. Warum werden manche Ärzte so pampig, wenn man ein Mitspracherecht einfordert und von ihm Gebrauch macht?
Mein Hausarzt beispielsweise verschreibt mir grundsätzlich keine Antibiotika, seitdem ich meine colitis mit 14 bekommen habe, erst recht nicht. Als er aber im Urlaub war und ich krank wurde, musste ich zu seiner Vertretung damals. Obwohl es erst der dritte Tag meiner Grippe war, wollte sie mir direkt Antibiotika verschreiben, obwohl ich sie darauf hingewiesen habe, dass ich eine colitis habe, die bei der Einnahme solcher Präparate sich direkt zu Wort melde. Dabei bin ich doch nur in die Praxis für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gefahren, ich wollte mich Zuhause einfach auskurieren mit Ingwer-, Kamillen- und Holunderblütentee und so fort. Sie bestand jedoch darauf und ich weigerte mich; dementsprechend weigerte sie sich damals, mir meine AU auszustellen, ich wolle ja scheinbar nur "einen auf blau" machen und nicht schnellstmöglichst wieder arbeiten können. Das ging dann soweit, dass ich darauf bestanden habe, zu dem anderen Arzt, der mit meinem Hausarzt die Praxis teilt, wollte. Sie hat sich überaus beleidigt gefühlt (sicher, wenn ein einfacher, blöder Patient das Wissen des Arztes infrage stellt, geht das an den Stolz) und sich geweigert. Also bin ich persönlich nach vorne und habe darum gebeten. Mir wurde der Wunsch gewährt und ich habe problemlos eine AU und pflanzliche Hustenlöser für den festsitzenden Husten bekommen; und die Ärztin musste sich bei mir entschuldigen. Sie hatte nämlich nicht einmal meine Krankenakte angesehen.

Was ich nach all den Jahren noch immer nicht verstehe: Wieso gehen so viele Menschen scheinbar selbstverständlich davon aus, dass wenn einem gewisse Gliedmaßen fehlen, auch etwas von den geistigen Fähigkeiten fehlen muss?