Jetzt ist es ja nicht so, dass man freiwillig all die "Macken" auf sich nimmt (wer denn schon?), aber scheinbar habe ich wohl etwas falsch gehört, als es an die Verteilung ging und nicht nur am lautesten "hier!" geschrieben sondern bin auch mit vollem Karacho nach vorne in den Pott gestürmt, um möglichst viel abzubekommen. Naja, das konnte ich wohl recht gut, am lautesten zu schreien. Manche Dinge haben sich erst in den paar Jahren meines Lebens ergeben oder entwickelt, manche haben sich ausgeprägt und manche haben einen Namen bekommen; so wie meine Hochsensibilität und meine "autistischen Züge"; ich muss sie so nennen, bis es eine endgültige Entscheidung gibt. "Hochsensibilität" wird oft als Geschenk angesehen, selbst Asperger auch immer mal wieder; diese Kombination jedoch wie ich sie habe, gepaart mit so viel Lebenserfahrung, bringt einen oft an den Rand der Verzweiflung, weshalb ich es trotz meines Bedürfnisses, unter Menschen zu sein, oft schätze, alleine zu sein oder keine sozialen Verpflichtungen im privaten Bereich zu haben.
Stimmlage, Wortwahl, Veränderungen im Gespräch bzw. in der Atmosphäre, nehme ich sofort wahr und kann sie oftmals dennoch nicht benennen. Mein Gehör ist viel feiner als das von vielen, mein Geruchssinn ist stärker, mein Schmerzempfinden ebenso. Die Reize, die aus meinem Umfeld kommen, prallen um einiges viel stärker auf mich ein als bei vielen anderen, weshalb ich, wenn man dann obendrein noch etwas von mir will, innerlich durchaus sehr gereizt werden kann; aber es ist okay, wenn man mich anspricht oder was von mir will, solange man meine Antwort, dass alles okay sei, dann auch akzeptiert, sollte man fragen; es ist auch alles okay, zumindest für diese Situation.
An sich lebe ich ein "normales" Leben, sieht man davon ab, dass ich Dinge manchmal zu sachlich nehme, Witze oder Seitenbemerkungen, die witzig sein sollen oder eine Doppeldeutigkeit haben, nicht immer greifen kann (was man mir bis heute nicht immer glaubt; ich nehme es durchaus wahr, dass ich gerade lachen sollte, weil da was witziges war, aber ich weiß nicht, worüber), aber dadurch, dass sich so viele Dinge bei mir und mit mir entwickelt haben, muss ich erst wieder lernen, damit zu leben. An sich liebe ich es beispielsweise, mit dem Zug zu fahren, das oftmals aber nur, solange er leer ist... oder zumindest fast... bzw. solange keine Störfaktoren vorhanden sind wie laut telefonierende Menschen oder Leute, die ihre Schuhe auf den Sitzplätzen deponieren müssen zu glauben. Babygeschrei wiederum ist für mich erstaunlicherweise nicht unbedingt ein Störfaktor, da es in meiner Welt "dazugehört; Babys schreien eben, die kann man nicht abstellen; vermeidbar aber ist es, dreckige Schuhe auf den Sitzplatz zu stellen oder lauthals ins Handy schreien zu müssen. Egal wie oft ich mir da einrede, "lasse doch, machen die scheinbar auch Zuhause", es bringt nichts. Es laut auszusprechen nur manchmal und manchmal habe ich die Leute durchaus angesprochen, was nicht immer, aber ab und an mal geholfen hat; vor allem, wenn man sie laut angesprochen hat und es somit andere mitbekamen; vielleicht nicht die netteste Art, aber eine effektive, die vielleicht einen Lernfaktor hat...
Was mir gerade einfällt, während ich hier Musik höre: Musik kann ich sehen, ja. Dementsprechend auch Geräusche. Als ich Anfang des Jahres darüber mit jemandem aus dem Fachgebiet gesprochen habe, meinte sie, dass es kein Wunder sei, dass mich laute Gespräche zusätzlich belasten: Sie bedeuten für mich ein starkes Rauschen (welches ich bis dahin nicht als solches wahrgenommen hatte). Sie hatte recht: Handygeschreie und laute Gespräche haben nicht nur ein Rauschen vor den Augen sondern auch in den Ohren und ein Kribbeln auf dem Kopf verursacht; vor allem, wenn sie in Ruhebereichen eines Zuges stattgefunden haben. Oder die Wurstbrote meiner Freundin... im Zug... sie haben etwas ähnliches bei mir verursacht. Ich habe es ihr irgendwann gesagt , voller Angst, sie zu verletzen damit. Es war mir unangenehm, vor allem, weil ich es einfach auf Überempfindlichkeit meinerseits zurückgeführt habe. Um so etwas zu entgehen habe ich auch stets in der Vergangenheit meinen Kollegen angeboten, für die Zugfahrten zu den Fortbildungen etwas zu essen für uns beide zu machen und habe es mit der längeren Anfahrt meiner Kollegen begründet. Was auch immer funktionierte und dankend aufgenommen wurde; es gab jedoch stets den Kommentar: "Aber bitte kein Sushi!", weil sie wussten, dass ich japanische Küche liebe, obgleich es mir schwer fällt, einen Sinn darin zu finden, warum ich auf eine Zugfahrt mit Kollegen, von denen ich doch weiß, dass sie nicht auf Sushi stehen, Sushi mitzunehmen...
Eigentlich habe ich an diesem Punkt mit einer kleinen Schlussfolgerung aufhören wollen mit diesem Beitrag, jedoch kam mir noch spontan etwas in den Sinn, was ebenso Teil des Ganzen ist:
Ich habe mitgezählt, wie oft ich das Wort "ich" oder "mir" etc. verwendet habe, da mir irgendwann, als ich damals in der Kinder- und Jugendwohngruppe wohnte, einer der Erzieher sagte, ich solle doch weniger diese Worte nutzen, das klinge zu egoistisch und egozentrisch. Darauf folgte damals eine lange Zeit, wo ich diese Worte quasi nie benutzte und alles sehr allgemein gehalten habe und es tunlichst vermied, überhaupt über mich zu sprechen; es verfolgt mich bis heute, diese Worte zu benutzen, meine Gedanken kreisen sich darum und sagen mir, dass ich sie zu oft genutzt hätte und alles. Doch: Wir sind hier in meinem Blog bzw. Tagebuch, hier geht es um mich und hier schreibe ich in der Hoffnung, vielleicht auch andere Leute anzutreffen, die ähnliche Dinge erleben und mit denen man sich eventuell austauschen könnte; es ist mein Tagebuch, also darf ich diese Worte auch so oft nutzen wie ich will, so ist zumindest meine Meinung, auch wenn ich jedes Mal denke: "Und noch ein ich, noch ein ich, noch ein ich...", wenn ich diese Worte schreibe.
Nichtsdestotrotz bin ich froh, an einem zweiten, darauf folgenden Tag es geschafft zu haben, noch einen weiteren Eintrag zu schreiben, ganz so, wie ich es mir vorgenommen habe. In meiner derzeitigen Situation kann ich froh sein, dass ich es überhaupt geschafft habe, einen ersten zu schreiben. Ich therapiere mich quasi selber oder versuche es zumindest. Dinge aufzuschreiben, die ich nicht aussprechen kann. Dinge, die ich auch im Gespräch nicht aufschreiben kann, weil sie doch irgendwie anders aufgefasst werden, weil ich immer das Gefühl habe, eine andere Sprache als mein Umfeld zu sprechen. Auch wenn hier so viel gewertete Aussagen stehen, meine ich sie letztlich doch neutral, aber wer soll oder kann sowas schon wissen?
(Wer übrigens wissen will, was so für mich "angenehme" Musik ist, die meine Gedanken halbwegs in gerade Bahnen lenkt während des Schreibens, dem empfehle ich, einmal hier reinzuhören: Erutan - Hymn of the Fayth ; auch wenn die Stimme ein ganz leichtes Rauschen hat, so ist sie für mich klar genug, dass es angenehm ist, die sich wiederholenden Elemente geben dem Ganzen eine herrlich angenehme Konstante und nicht zuletzt regt sie meine Fantasie an; wenn ich einmal zur Ruhe kommen will, so höre ich derlei Lieder stundenlang in der Endlosschleife)
Ich war schon anders in frühesten Kinderjahren; Ich sah nicht das, was andere sahen.
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