Mittlerweile haben sich aber auch so viele Dinge zugetragen, dass ich sie nicht mehr tragen konnte; und jene, von denen ich eigentlich am allermeisten gedacht habe, dass ich mich an sie wenden könnte, haben mir den Rücken gekehrt, mir Dinge vorgeworfen, die nur ihrer eigenen Vorstellung entsprachen und mich sitzen lassen, obgleich sie sagten, sie seien immer für mich da... nicht alle, gewiss, aber jene, von denen ich es nie erwartet hätte.
"Nachlaufen", nannte es die eine, "würde sie nicht tun", wie ich erfuhr. Doch gerade jene weiß doch, wie es ist, wenn man sich in einer solchen Situation befindet und man sich einigelt. Gerade ihr habe ich doch erzählt, dass ich genau dann jemanden brauche, der mich aus der Versenkung herausholt, aus der ich von alleine erst sehr, sehr viel später herauskomme. Und die andere, ... ja, es wirkt auf mich, als ob sie Regeln aufstelle, die für sie nicht gelten. Es fing damit an, dass sie damals aus der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe rausgegangen ist, weil sie "Abstand" wolle. Dann bekam eine gemeinsame Freundin endlich ein Smartphone und somit auch WhatsApp, ich holte sie auch in die gemeinsame Gruppe rein und jene zurück, da ich dachte, dass sich die Wogen geglättet hätten. Nur dann entwickelte sich ein komisches Bild in ihrem Kopf, wonach ich ihre und meine Freundin angeblich mehr mögen würde als sie und eben jene auch viel freudiger begrüße als sie. Wer kommt nur auf solche Ideen? Und wer wirft es eben jener vor, die sie als Freundin bezeichnet hat? Freunde mögen sich und machen einem sowas doch nicht zum Vorwurf. Dieser Vorwurf hatte mich tief getroffen, vor allem, weil ich es nicht verstand. Als meine Freundin dann sagte, jene, ich nenne sie zukünftig einfach Sabrina, wolle Abstand, ging ich aus der WhatsApp-Gruppe raus; ganz so, wie sie es selber damals getan hat, wohlgemerkt. Das schien ihr aber nicht gefallen zu haben und sie hat es scheinbar persönlich genommen.
Nun ist es so, dass sie mir vorgeworfen hatte, dass ich unsere gemeinsame Freundin, sie soll Melanie heißen, also die, die von Anfang an in der WhatsApp-Gruppe war, mehr mögen würde als sie (Sabrina). Dabei war sie es, wo ich doch den Eindruck hatte, dass sie uns viel mehr hängen lassen würde und mehr mit Melanie unternehme und sich deutlich mehr unterhalte als mit uns (jene Freundin, die später ein Smartphone bekommen hat, ich nenne sie Bianca, und mir). Nur diese Gedanken habe ich für mich behalten, weil man soetwas einer Freundin doch nicht vorwirft, auch wenn es geschmerzt hat, da es doch so offensichtlich war. Als ich sie einmal darauf angesprochen habe, war sie ganz empört, meinte dann aber, sie hätte zu Melanie einfach einen ganz anderen Zugang als zu uns... Ah ja. Ich darf sie also nicht darauf ansprechen, dass ich mich wie ein fünftes Rad am Wagen verspüre, während sie mir zum Vorwurf machen darf, ich würde Melanie lieber mögen als sie (Sabrina)? Das empfand ich sehr, sehr ungerecht, vor allem, weil ich mich nicht ernstgenommen fühlte.
Nicht zuletzt wurde es schlimmer, nachdem ich ihr mitteilte, dass ich eine Form des Asperger Autismus habe. Vielleicht war das zu viel für sie, vielleicht hatte sie auch einfach genug Probleme und sie kam dann mit der Information nicht mehr zurecht oder was auch immer. Der Eindruck, dass sie Regeln aufstellte, an die sie sich aber selber nicht immer hielt, es von anderen jedoch einforderte, blieb lange bestehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich bzw. mein Kopf, einfach sofort anfängt, zu interpretieren, nachzudenken, zu analysieren... das lässt sich nicht einfach ausstellen, man denkt und denkt darüber nach, es dreht sich alles im Kreise um diesen einen Gedanken. Man überlegt, was man falsch gemacht habe, wie man es besser machen könne, etc. Und am Ende macht man entweder gar nichts, weil man sich nach all den Jahren und Rückschlägen nicht mehr traut, man traut sich nicht aus Angst, der anderen Freundin noch mehr weh zu tun als man es scheinbar ohnehin schon getan habe und letztlich wird man von dem Gedanken beherrscht, dass man sowieso nicht mehr auf jene Ebene zurückzukommen vermag, auf der man sich einmal befunden hat; und wenn man es versucht, die Wogen zu glätten, dass es stets im Hinterkopf bliebe und einen bitteren Beigeschmack habe.
Es ist so unendlich anstrengend, wenn man sich über alles mögliche Gedanken macht, man keine Ruhe findet und man selbst im Schlaf davon heimgesucht wird, einem heiß und schlecht wird im Gedanken, dass es morgen weitergeht mit dieser Spannung etc. Und man handelt nicht aus Respekt vor dem Wunsch, dass jene Abstand wolle (was mir persönlich weh tut, weil: Wieso will sie Abstand von mir und nicht von unserer anderen Freundin?), man respektiert den Wunsch, weil man selber weiß, dass man manchmal einfach seine Ruhe braucht. Bei all den Dingen treffen so viele verschiedene widersprüchliche Gedanken und Informationen aufeinander, dass man am Ende nicht mehr wisse, wo einem der Kopf steht.
Ich denke, es ist sowas wie eine Schockstarre, vielleicht. Ich habe mir geschworen, Sabrina und Melanie zu vergessen, damit die beiden ihren Frieden haben und ich auch meinen finde, aber es geht nicht.
Wo wird all das also nun hinführen?
Alles ist ein Rätsel und der Schlüssel zu diesem Rätsel ist ein weiteres Rätsel.
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