Wenn ich an meinen Kopf denke, habe ich zwei Eindrücke: Leere und dann wieder: Ein gewaltiger Wirbelsturm, der unbarmherzig all das Böse, all das, was weh tut, all das, was ich eigentlich tief in mir vergraben habe, hoch und durcheinander wirbelt. Jetzt gerade ist es eher ein Wirbelsturm, ich habe gänzlich vergessen, worüber ich schreiben wollte.
Also schreibe ich einfach darüber, dass ich mir heute wieder Gedanken gemacht habe, warum ich einen Blog schreiben wollte. Und nun weiß ich ganz bestimmt, dass ich all meine Gedanken niederschreiben muss, um einfach Ordnung in meinen persönlichen Schutthaufen des Lebens zu bringen; dies muss aber in einer Weise geschehen, dass ich es regelmäßig mache, damit irgendwann hoffentlich die Gewohnheit entsteht, dass ich meine Gedanken geordnet in Worte niederschreiben kann. Aber: In all den letzten Jahren habe ich ein ganz anderes Bild von mir als die Menschen um mich herum erhalten. Und ein Tagebuch zeigt man nicht einfach so und sagt: Eh, gib mir mal bitte Rückmeldung zu meinen Gedanken da drin! Aber so ein Blog ... wenn er irgendwann Menschen erreicht, die ihn vielleicht lesen mögen und vielleicht sogar eine Rückmeldung zu ihren Eindrücken geben... das könnte mir vielleicht helfen zu verstehen, wie mich andere Menschen wahrnehmen und meine eigene Sicht und die damit einhergehenden Gefühle zu korrigieren, wenn ich dem zustimme. Glücklicherweise kann ich genug reflektieren um zu entscheiden, was begründete Kritik ist und was nicht. Das hat man schon immer an mir gelobt, diese Reflektierfähigkeit. Nun denn, hoffen wir mal, dass sie mir auch hier weiterbringt.
Seit nunmehr fast sechs Jahren lese ich im Blog einer jungen Frau, die durch einen Unfall querschnittsgelähmt ist und einen Blog schreibt, weil ihre Therapeutin es ihr geraten hat. Sie schreibt noch immer. Über diesen Blog schreibe ich aber ein anderes Mal, hat er doch eine gewisse Bedeutung für mich. Jedenfalls kam mir dadurch der Gedanke, dass es nicht schaden könnte, wenn ich das Innenleben meines Kopfes öffentlich niederschreibe in der Hoffnung, dass meine Worte irgendwelche Seelen da draußen in der weiten Welt erreichen mögen. Vielleicht gibt es ja die eine oder andere, die eine ähnliche Situation erlebt hat, vielleicht auch jemand, der über meinen Blog stolpert und mir Rückmeldung gibt. Rückmeldung von Menschen, die mich nicht kennen, die nicht das analysieren, was ich sage, weil sie mich eben bereits kennen, ja, das wäre ganz nett, aber es soll im Vordergrund bleiben, dass ich diesen Blog nutzen werde, um meine Gedanken sortiert zu kriegen.
Wenn die Gedanken keine Ruhe finden, findet der Geist auch keine Ruhe und somit findet man keinen erholsamen Schlaf. Ich träume oft so, sodass ich mich am nächsten Tag erinnere, was ich geträumt habe, aber manchmal habe ich so Träume, die so intensiv sind, dass sie mir die Brust zuschnüren und ich regelrecht einen ziehenden Schmerz verspüre und zwischen Wachsein und Träumen im Bett liege und mich nicht bewegen kann und gefangen bin. Sei es ein gewaltiger Blitz während eines Gewitters, der einschlägt, dann aber nicht weggeht, sondern sich weiterhin in die Straße brennt zusammen mit einem unheimlichen Geräusch, nur um dann mit einem so lauten Knall zu explodieren, sodass die Fenster gesprengt und die Scherben mit hoher Geschwindigkeit auf einen geschossen kommen, abstürzende Aufzüge, Umweltkatastrophen, Kindheitserinnerungen ... wenn ich so intensive Träume habe, dann sind es meist realitätsnahe Träume; so realitätsnah eben, wie sie sein können, abgesehen von meinen üblichen. Manche Gefühle, die mit jenen Träumen einhergehen, lassen sich teilweise tagelang, manchmal über die ganze Woche hinweg, nicht abschütteln, sodass ich stets ein flaues Gefühl mit mir herumtrage. Dann gibt es Träume, die immer mal wieder grüßen und sich genauso abspielen wie beim ersten Mal. Doch die Träume, die mich so mitnehmen, die ... ja, in denen kommt oft, aber nicht immer, meine Mutter vor, sie spielt die Böse in ihnen, sie ist diejenigem die mich jagt, die mich umbringen will, die ... die, die alles kaputt macht oder mich an das erinnert, was früher war, die, die den Schmerz wachruft; einfach jene, die nicht die Position einer Mutter einnimmt; anstatt zu beschützen, verletzt sie.
Ich versuche noch immer zu erraten, welche Bedeutung dies hat, doch bisher bin ich auf keinen grünen Zweig gekommen.
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