Dienstag, 11. April 2017

Zeitgefüge

Zeit scheint für mich derzeit nicht zu existieren. Ich spüre gar nicht das Verstreichen der Zeit; ich tauche nur immer wieder zwischendurch auf und denke: "Oh!". Dinge, von denen ich dachte, dass ich sie letzte Woche getan habe, sind aber in Wirklichkeit schon über einen Monat und mehr her. Kein schönes Gefühl.

Mittlerweile haben sich aber auch so viele Dinge zugetragen, dass ich sie nicht mehr tragen konnte; und jene, von denen ich eigentlich am allermeisten gedacht habe, dass ich mich an sie wenden könnte, haben mir den Rücken gekehrt, mir Dinge vorgeworfen, die nur ihrer eigenen Vorstellung entsprachen und mich sitzen lassen, obgleich sie sagten, sie seien immer für mich da... nicht alle, gewiss, aber jene, von denen ich es nie erwartet hätte.

"Nachlaufen", nannte es die eine, "würde sie nicht tun", wie ich erfuhr. Doch gerade jene weiß doch, wie es ist, wenn man sich in einer solchen Situation befindet und man sich einigelt. Gerade ihr habe ich doch erzählt, dass ich genau dann jemanden brauche, der mich aus der Versenkung herausholt, aus der ich von alleine erst sehr, sehr viel später herauskomme. Und die andere, ... ja, es wirkt auf mich, als ob sie Regeln aufstelle, die für sie nicht gelten. Es fing damit an, dass sie damals aus der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe rausgegangen ist, weil sie "Abstand" wolle. Dann bekam eine gemeinsame Freundin endlich ein Smartphone und somit auch WhatsApp, ich holte sie auch in die gemeinsame Gruppe rein und jene zurück, da ich dachte, dass sich die Wogen geglättet hätten. Nur dann entwickelte sich ein komisches Bild in ihrem Kopf, wonach ich ihre und meine Freundin angeblich mehr mögen würde als sie und eben jene auch viel freudiger begrüße als sie. Wer kommt nur auf solche Ideen? Und wer wirft es eben jener vor, die sie als Freundin bezeichnet hat? Freunde mögen sich und machen einem sowas doch nicht zum Vorwurf. Dieser Vorwurf hatte mich tief getroffen, vor allem, weil ich es nicht verstand. Als meine Freundin dann sagte, jene, ich nenne sie zukünftig einfach Sabrina, wolle Abstand, ging ich aus der WhatsApp-Gruppe raus; ganz so, wie sie es selber damals getan hat, wohlgemerkt. Das schien ihr aber nicht gefallen zu haben und sie hat es scheinbar persönlich genommen.
Nun ist es so, dass sie mir vorgeworfen hatte, dass ich unsere gemeinsame Freundin, sie soll Melanie heißen, also die, die von Anfang an in der WhatsApp-Gruppe war, mehr mögen würde als sie (Sabrina). Dabei war sie es, wo ich doch den Eindruck hatte, dass sie uns viel mehr hängen lassen würde und mehr mit Melanie unternehme und sich deutlich mehr unterhalte als mit uns (jene Freundin, die später ein Smartphone bekommen hat, ich nenne sie Bianca, und mir). Nur diese Gedanken habe ich für mich behalten, weil man soetwas einer Freundin doch nicht vorwirft, auch wenn es geschmerzt hat, da es doch so offensichtlich war. Als ich sie einmal darauf angesprochen habe, war sie ganz empört, meinte dann aber, sie hätte zu Melanie einfach einen ganz anderen Zugang als zu uns... Ah ja. Ich darf sie also nicht darauf ansprechen, dass ich mich wie ein fünftes Rad am Wagen verspüre, während sie mir zum Vorwurf machen darf, ich würde Melanie lieber mögen als sie (Sabrina)? Das empfand ich sehr, sehr ungerecht, vor allem, weil ich mich nicht ernstgenommen fühlte.

Nicht zuletzt wurde es schlimmer, nachdem ich ihr mitteilte, dass ich eine Form des Asperger Autismus habe. Vielleicht war das zu viel für sie, vielleicht hatte sie auch einfach genug Probleme und sie kam dann mit der Information nicht mehr zurecht oder was auch immer. Der Eindruck, dass sie Regeln aufstellte, an die sie sich aber selber nicht immer hielt, es von anderen jedoch einforderte, blieb lange bestehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich bzw. mein Kopf, einfach sofort anfängt, zu interpretieren, nachzudenken, zu analysieren... das lässt sich nicht einfach ausstellen, man denkt und denkt darüber nach, es dreht sich alles im Kreise um diesen einen Gedanken. Man überlegt, was man falsch gemacht habe, wie man es besser machen könne, etc. Und am Ende macht man entweder gar nichts, weil man sich nach all den Jahren und Rückschlägen nicht mehr traut, man traut sich nicht aus Angst, der anderen Freundin noch mehr weh zu tun als man es scheinbar ohnehin schon getan habe und letztlich wird man von dem Gedanken beherrscht, dass man sowieso nicht mehr auf jene Ebene zurückzukommen vermag, auf der man sich einmal befunden hat; und wenn man es versucht, die Wogen zu glätten, dass es stets im Hinterkopf bliebe und einen bitteren Beigeschmack habe.
Es ist so unendlich anstrengend, wenn man sich über alles mögliche Gedanken macht, man keine Ruhe findet und man selbst im Schlaf davon heimgesucht wird, einem heiß und schlecht wird im Gedanken, dass es morgen weitergeht mit dieser Spannung etc. Und man handelt nicht aus Respekt vor dem Wunsch, dass jene Abstand wolle (was mir persönlich weh tut, weil: Wieso will sie Abstand von mir und nicht von unserer anderen Freundin?), man respektiert den Wunsch, weil man selber weiß, dass man manchmal einfach seine Ruhe braucht. Bei all den Dingen treffen so viele verschiedene widersprüchliche Gedanken und Informationen aufeinander, dass man am Ende nicht mehr wisse, wo einem der Kopf steht.
Ich denke, es ist sowas wie eine Schockstarre, vielleicht. Ich habe mir geschworen, Sabrina und Melanie zu vergessen, damit die beiden ihren Frieden haben und ich auch meinen finde, aber es geht nicht.

Wo wird all das also nun hinführen?

Alles ist ein Rätsel und der Schlüssel zu diesem Rätsel ist ein weiteres Rätsel.
— Ralph Waldo Emerson

Mittwoch, 2. März 2016

Alte Marotten

Im Moment dreht sich mein Leben eigentlich nur darum:

Die alten Marotten loszuwerden, die sich durch meine Hypersomnie entwickelt haben; und die hatten mehr als ein Jahrzehnt Zeit, sich so richtig fest reinzufressen. Die jetzt loszuwerden, wieder in einen Rhythmus zurückzufinden ist so unendlich schwierig, dann geht es ein paar Tage zwar, dann fällt man doch wieder zurück und fühlt sich irgendwie noch mieser als vorher.

In etwa kann man sich meine Situation folgendermaßen vorstellen:
Man steht vor einer Wand. Egal ob man nach links, rechts oder oben schaut: Sie scheint endlos zu sein, aber man weiß, was auf der anderen Seite wartet: Ein unglaublich großer Schuttberg und viele Baustellen, von denen man weiß, dass sie da nicht mehr so lange bleiben dürfen. Obwohl es kein Zurück gibt und kein Vorwärts, versucht man nach vorne zu kommen und läuft ständig gegen diese Wand. Ganz als ob die Katze ihren eigenen Schwanz jage.
Immer wieder sackt man zusammen, seufzt, heult vor Frust, steht auf und versucht es erneut und fragt sich, ob es daran liegt, dass der Wille nicht groß genug sei? Ist es vielleicht auch so bei jenen, die an einer Sucht leiden und damit einfach nicht aufhören können, obwohl sie es wollen?

Mir wurde so viel Zeit gegeben und ich habe sie nicht nutzen können, weil ich in mir selber versunken bin. Zwischendurch kam jemand wie zum Beispiel meine Lieblingswusel vorbei, was mir so unendlich viel Kraft gegeben hat und ich mich einfach mal so angenommen gefühlt habe, wie ich aktuell bin. Die es mir nicht böse nachsah, wenn ich ein Treffen wegen Müdigkeit oder zu viel Watte im Kopf abgesagt habe. Ganz im Gegenteil: Sie hat Verständnis für mich aufgebracht und es "jennygerecht" hinbekommen, dass ich es auch geschafft habe, mich zu melden; ohne jemals auch nur ein böses Wort darüber zu verlieren; necken, ja, aber niemals ein böses. Damit hat sie mir so unendlich viel gegeben, das kann ich gar nicht ausdrücken. Es mag jetzt ganz doof klingen, aber ich weiß auch nicht, wie ich es besser ausdrücken konnte: Da sie "so eine wie ich" ist (sprich, auch eine Behinderung hat), hat sie mir einfach viel mehr Mut gemacht und Sicherheit in meinem Alltag gegeben, wie ich mit den Reaktionen der Leute um mich herum umgehen kann.
Wo ich vormals irgendwie doch in meiner eigenen Blase gelebt habe, die durch meine Hypersomnie noch gestärkt wurde, hat sie es geschafft, diese effektiv aufzupieksen und mich aus meinem eigenen Gefängnis zu befreien. Wenn du das hier lesen solltest: Danke dir, meine Liebe <3

Es gibt noch mehr Menschen in meinem Leben, aber denen widme ich beizeiten noch einen eigenen Eintrag, wenn es sich ergibt.

Donnerstag, 7. Januar 2016

Wie der Wind

Ich schaue auf meinem Blog vorbei uns sehe, dass der letzte Post vom August letzten Jahres ist und erschrecke. So viel Zeit ist vergangen? Wie kann das sein? Ich habe doch erst letzten Monat etwas geschrieben... so ergeht es mir eigentlich fast noch immer jeden Tag aufs Neue. Es ist irgendwie unheimlich, wenn man bedenkt, wieviel Zeit da eigentlich verstreicht und nicht weiß: Inwiefern hat diese Wahrnehmung mit meiner Krankheit zu tun und inwiefern ist das normal?

Mittlerweile bekomme ich zwar ein Medikament (Modafinil), aber da muss ich auch noch die richtige Menge finden, die mir hilft. Zwar habe ich es immer mit der Mindestmenge versucht (1 Talette = 100mg), das hat jedoch nicht immer funktioniert. Immerhin, meine Fortbildung Mitte November habe ich mit einer Ausnahme einmal abends wunderbar überlebt und erlebt. Obwohl sie unendlich langweilig war, weil es nichts Neues gab, was ich da noch lernen konnte (nach vier Jahren hat man eben alles drin).

Ansonsten:
Es gibt aktuell nichts Neues ;)

Dienstag, 25. August 2015

Sonnige Tage

Sonnige Tage hatte ich in den letzten Tagen in zweierlei Ansicht: Vom Wetter als auch von der Gefühlslage.

Das Wetter war ziemlich warm als auch kühl, dafür hatten wir viel Sonnenschein, den ich genießen konnte; vielleicht hat das auch meine Stimmung beeinflusst oder auch nicht; darauf weiß ich momentan leider keine Antwort.

Fakt ist aber, dass ich, seitdem ich das Cortison seit letzter Woche nehmen muss, da ich einen leichten Hörsturz hatte, aktiver, wacher, motivierter und allgemein besser gelaunt bin; wenn es auch nicht am ersten Tag der Einnahme war. Alleine heute habe ich erlebt, was ich doch eigentlich alles schaffe, wenn ich wach und nicht erschöpft bin; diese Zeiten, wo das früher für mich zwar selbstverständlich, nichtsdestotrotz aber besonders waren, vermisse ich sehr. Wirklich, richtig sehr. Alles fühlt sich so schwer, anstrengend und unüberwindbar an, weil ich oft so erschöpft bin, meine Gedanken kreisen auch ständig um diese Tatsache und das wiederum ärgert mich; das wiederum ärgert mich, dass es mich ärgert. Seufz. Alles ziemlich verrückt.

Positiv bin ich grundsätzlich schon gestimmt und ich versuche auch ganz bewusst meine Gedanken in diese Richtung zu steuern, aber selbst das ist manches Mal zu anstrengend. Egal jetzt, heute ging es mir gut und darüber möchte ich schreiben!

Es ging mir so gut, dass ich durch die Wohnung hätte tanzen, singen, springen können! Alles lief so gut und flüssig, das machte mich so unglaublich glücklich. Dazu kam noch eine E-Mail von meiner Arbeit; es ging nur darum, dass an alle aus dem Team das Protokoll der Sitzung weitergesendet wurde und unsere Leitung hat es quasi 1:1 übernommen (also das, was ich getippt habe)! Ich darf bald zudem mit dem Bürgermeister sprechen und unsere Arbeit vorstellen ... was will ich mehr? Mit Menschen agieren, das vorstellen, was einem eine Herzensangelegenheit ist, einige der Dinge, die monatelang liegengeblieben sind, sind teilweise bereinigt bzw. bewältigt worden ... die Wand, die sich vor mir befindet, bekommt Löcher, sie wird durchscheinender und ich kann einige Lichtfetzen erkennen. Vielleicht schaffe ich es ja doch, diesen immens großen Schuttberg zu überwinden, der vor mir liegt. Er bröckelt jedenfalls und das spüre und sehe ich so richtig.

Heute habe ich es geschafft, die Wohnung aufzuräumen, zu einem großen Teil. Zumindest das Arbeits- und Wohnzimmer. Am Wochenende will mir mein Freund dabei helfen, etwas aus der Abstellkammer einzusortieren oder auszumisten. Sie soll leer werden, damit wir einen Teppich auf den Boden legen können, der nicht einmal einen echten Fußboden besitzt, sondern nur aus nacktem Beton (oder was auch immer) besteht (deswegen ist der auch nicht in unserer Miete enthalten, obwohl wir ihn nutzen können, juhuuuu). Lagern möchte ich dann nur beispielsweise mal das Gästebett oder meinen Hängesitz, ansonsten sollte sie leer bleiben; für Lebensmittel eignet sie sich einfach nicht, da es im Sommer zu warm wird und sie keine Fenster, geschweige denn eine Heizung, besitzt.

Außerdem habe ich zwei Beiträge bearbeitet, die ich wohl in geistiger Umnachtung geschrieben haben muss, denn ganz korrekt war die Darstellung leider nicht :-S Wie auch immer das passiert sein mag.
Weiterhin werde ich es nachwievor versuchen, regelmäßig ein paar Minuten zu schreiben und ich hege noch immer die Hoffnung, dass es mir glücken wird. Wenn da nicht ständig diese olle Erschöpfung wäre .(

Immerhin: Angst vorm nächsten Tag habe ich kaum noch, ich kann unbesorgter ins Bett gehen meistens, dennoch mag ich noch immer die Nacht, sie macht mich kreativ und motiviert und dann doch manchmal müde :D

Drückt mir bitte die Daumen, dass ich mehr zum Ausmisten, Lernen, Lesen anderer Blogs (und Kommentieren) komme ..... und und und.

Montag, 17. August 2015

Peu à Peu

Peu à Peu - sprich: Schritt für Schritt - geht es mal voran, mal auch zurück.
Mal bewege ich mich in meiner eigenen kleinen Wolke / Blase und habe den Eindruck, dass vor mir nur ein Film abläuft, dann bin ich wieder mal klar im Kopf, bin hochmotiviert und aufnahmefähig, so wie früher. Dieses "Klarsein" ist leider aber eine Seltenheit geworden, einfach Kaffee hilft da nicht. Gelegentlich, ja, tierisch stark aufgebrüht und mit Kakao und Milch versehen, damit es halbwegs herunterzubringen ist. Ich kaufe mir quasi Wachheit und Flucht aus meinem steten Dämmerzustand. Für einige Stunden kann ich den trüben und hoffnungslosen Gedanken entfliehen, bin mir meiner Selbst und meiner Umgebung wieder bewusst, ich singe, lache, bin fröhlich, tanze im Kreis durch die Wohnung bei Guter-Laune-Mucke, räume auf, putze, lerne, miste aus. Vielleicht ist das das, was andere "wie auf Droge" beschreiben. Keine Ahnung, ich habe noch nie welche genommen. Wenn aber die Wirkung nachlässt, geht es mir nicht besonders: Herzrasen, Übelkeit, Frustriertheit, Erschöpfung. Deswegen mache ich das nur, wenn ich der Auffassung bin, dass ich es wirklich benötige. Und irgendwie kann ich es auch kaum noch abwarten, bis ich endlich das Medikament bekomme.

Große Erwartungen hängen an der Wirkung dieses Präparates: Modafinil. Ich habe mich im Internet kundig gemacht, was das überhaupt ist. Es wird scheinbar unter einigen Studenten als Aufputscher auf dem Schwarzmarkt gehandelt, in Amerika wird es massenhaft geschluckt und ist frei zugänglich ... irgendwie nicht so tolle Vorstellungen, die man da vermittelt bekommt, was vermutlich auch der Sinn der Sache sein dürfte. Wie es aber mit vielen Dingen ist: Für die einen Gift, für die anderen ein Heilmittel. Für die einen eine Droge, für die anderen wieder ein Heilmittel. ich gehöre dann also zu letzterer Kategorie.
Mein Hausarzt und mein Gastro haben es abgesegnet, fehlt nur noch mein Neurologe. Da dauert es aber, bis ich einen Termin bekommen habe. Außerdem wurde ich darauf hingewiesen, dass die Tabletten den Appetit dämpfen würden; umso besser, ich habe eh zu viel davon, auch wenn man es mir nicht ansieht ;) Auf Dauer entlastet das hoffentlich meine Geldbörse dann oder einfach die Nervosität, wenn einmal nichts im Hause ist.

Im Oktober kann ich endlich wieder studieren hoffentlich, ich freue mich schon so. Das Nichtstun(können) geht an die Materie und meine Gedanken kreisen stets nur um diese verdammte Müdigkeit. Oft bin ich erschöpft, müde und will nur schlafen. Lege ich mich aber hin zum Schlafen, wache ich vor zwei Stunden nicht richtig auf. Zwischendurch schon, aber dann ist da so eine extreme, sumpfige und zähe Müdigkeit da, dass ich es nicht schaffe, meine Gedanken dahin zu steuern, dass sie meinem Körper sagen, dass er aufstehen soll; und wenn ich es endlich geschafft habe, bin ich so sehr müde und bereue es abermals, dass ich mich überhaupt schlafen gelegt habe. Lange Zeit habe ich mich deswegen für faul gehalten und kann es auch heute nicht so ganzabschütteln, aber ich habe es verstanden, dass es nicht ganz an mir lag.

Dienstag, 17. Februar 2015

Angst vor dem nächsten Tag

Dass ich nachts kreativer bin, weiß ich, das nutze ich auch gerne, aber irgendwie ist es zu einer rechten Regelmäßigkeit geworden, dass ich lange aufbleibe. Das gefällt mir eigentlich nicht, zumal ich einfach im Kopf dann wacher bin als tagsüber (was mir wiederum sehr gut tut), doch es hat für mich schon eine Art Gewohnheit angenommen und ich musste mich fragen, wieso.
Was hält mich davon ab, beizeiten ins Bett zu gehen? Was hält mich davon ab, nicht mehr so früh aufzustehen?
Zu zweiter Frage hatte ich sehr schnell eine Antwort: Egal wie früh ich zu Bett gegangen bin (auch schon in der Vergangenheit, nur seit Monaten richtig schlimm), morgens aufzustehen bzw., um genau zu sein, wach genug zu werden, um aufstehen zu können, ist ein rechter Kraftakt. Es ist so anstrengend, aufzustehen morgens. Wenn der Wecker klingelt und ich ihn ausmache, um aufzustehen, schlafe ich direkt wieder ein ohne es zu merken. Irgendwann folgt in meinem Kopf kein Reiz mehr, der das Weckerklingeln mit Aufstehen verbindet und ich kann noch das unangenehmste Klingeln ohne mit der Wimper zu zucken, an mir vorübergehen lassen. Ich liege zwar wach, aber ich kann nicht wirklich einen Muskel rühren vor Müdigkeit. Kaum, dass der Wekcer dann aufgehört hat zu klingeln, bin ich auch direkt wieder eingeschlafen und so wird es meist nichts vor halb elf oder elf Uhr; was mich so ärgert. Jeden Tag nehme ich mir vor, früher aufzustehen und doch geht es meistens nicht. Dann bin ich so neben der Spur, ich kann nicht klar danken. Das frustriert mich zunehmendst.

Und warum bleibe ich nun vermehrt so lange wach? Ich habe einfach Angst vorm nächsten Tag. Angst davor, wieder nicht das zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe und Angst davor, dass damit auch wieder die Aufgabe steht, meine Dinge geordnet zu bekommen. Es fühlt sich aktuell alles so schwer und mühselg an, ich habe Angst vor fast allem und ich weiß nicht, warum. Ich brauche für alles so viel Unmengen an Energie, um auf Trabb zu kommen, um mich mit Freunden zu treffen, um meinen Aufgaben gerecht zu werden ... nur wieso?

Irgendwo muss ich einen Anfang finden, das schaffe ich nur nicht. Aber wieso? Fragen, die vermutlich nur ich mir selbst beantworten kann.

Ärztepech

Manchmal frage ich mich, wieso manche Mitmenschen überhaupt Arzt geworden sind, wenn sie einen anderen Menschen so unmenschlich oder ungebührlich behandeln. Ich meine, wo haben die das gelernt, dass Menschen mit einer körperlichen Behinderung auch zwangsweise eine geistige besitzen und man sie wie kleine Kinder behandeln soll? Wo haben die das nur her? Als mein Hausarzt mir riet, dass ich doch einmal zu einem Neurologen solle wegen meiner beeinträchtigenden Müdigkeit, war mir schon ganz bange da ich in der Vergangenheit schon diverse Erfahrungen mit Ärzten machen durfte. Üblicherweise bleibe ich bei einem Arzt, wenn ich einmal Vertrauen zu ihm gefunden habe, vorher suche ich solange, bis ich einen gefunden habe; das liegt sicherlich nicht nur daran, dass ich behindert bin; jeder von uns hat das Bedürfnis, ein Gefühl von "gut aufgehoben zu sein" haben zu wollen; vor allem, wenn es um unsere Gesundheit geht. Daher bin ich auch bei meinem Hausarzt geblieben, obwohl er nun nicht mehr fußläufig oder "mal eben" mit dem Bus erreichbar ist; ich bin bereit, mit 39°C Fieber zu ihm zu fahren, egal wie schlecht es mir geht, wenn ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung brauche oder mir nicht sicher bin, woher das aktuelle "Wehwechen" kommt; oder einfach zu kommen, wenn mir etwas komisch oder zu lange vorkommt; dahingehend wurde ich schon gut trainiert. Das muss ich aber nicht tun. Er kommt auch zu mir nach Hause, wenn es mir schlecht geht; sogar eher, als wenn ich danach fragen würde, auch, wenn es nicht in seinem Bereich liegt (es gibt da irgendso eine Regelung, meine ich).
Warum habe ich aber so ein Vertrauen zu ihm? Eigentlich ganz simpel zu beantworten: Er hört zu und nimmt einen auch Ernst; und er nimmt sich die Zeit und fertigt nicht einfach nach Routine ab, wie es so viele Ärzte tun. Mittlerweile hat er auch ein sehr gutes Gespür dafür entwickelt, zu entdecken, wo der Schuh drückt, ohne dass ich es sagen muss. Was ich aber auch sehr schätze ist, dass er nie schnell bei der Hand ist, mir irgendwas zu verschreiben, stattdessen nennt er mir "alternative" Dinge, natürlich solange es bei mir nichts "Ernstes" ist.

Als ich nun einen Neurologen suchen musste, bin ich leider direkt an den falschen geraten; er hat nicht nur unnötige Untersuchungen gemacht, er hat mir auch gar nicht zugehört, mich wie ein kleines Kind behandelt und mir davon abgeraten, aufgrund meiner Behinderung eigene Kinder zu bekommen und stattdessen erstmal in die genetische Beratung der Uniklinik zu gehen ... muss ich mehr sagen? Am Ende hat er mir einfach gesagt, ich solle mich gesünder (hat er mich je nach meiner aktuellen Ernährung gefragt? Nein!) ernähren und mehr Sport treiben (obwohl ich ihm mehrmals gesagt habe, dass ich erst recht beim Sport fast im Stehen einschlafen könnte!). Mehr nicht, er hat es einfach als Lappalie abgetan.
Ein anderes Mal kann ich mich an einen Orthopäden erinnern, der dann sein ganzes Personal plötzlich ins Sprechzimmer holte um allen meine Hände und Füße zu zeigen, weil er so begeistert war, da er es nur aus Lehrbüchern kannte ...
Und von der Uniklink ... kann man Menschlichkeit mit keinem Zipfelchen erwarten; das haben die dort vermutlich nicht einmal in Lehrbüchern gesehen. Ich meine, wer reißt eine frisch an der Wirbelsäure operierte Patientin und mit einem Schlauch in der Seite, grob und ruckartig an beiden Armen hoch, nur um die Röntgenplatte aufs Bett zu legen und die Patientin dann einfach fallen zu lassen? Ohne ein einziges Wort zu sagen? Ohne die Ausrufe vor Schmerz wahrzunehmen? Nur damit mir das dort stationierte Pflegepersonal nicht glaubt und meint, ich hätte mir das wegen all der Schmerzmedikamente eingebildet? Diese Zeit in der Uniklinik war der reinste Albtraum; ich habe heute noch immer wieder Albträume von dort. Allein wenn ich den Namen schon höre, bekomme ich heute noch Bauchschmerzen. Für die war ich nur ein Forschungsobjekt, obwohl ich meine Zustimmung nicht gegeben habe, hat man Fotos von Händen und Füßen gemacht, als ich mich nicht mehr wehren konnte. Welcher Arzt macht denn sowas bitte? Welcher Mensch kann so etwas mit seinem Gewissen vereinbaren?
Manche meinen ich würde alles zu persönlich nehmen, ich würde es mir nur einbilden, dass es etwas mit meiner Behinderung zu habe ... aber diese Leute waren nicht dabei. Ich kann durchaus unterscheiden zwischen Persönlichem und Fachlichem; und vor allem auch Moral.

Aktuell suche ich einen neuen Hautarzt; der, zu dem ich bisher gegangen bin, nimmt mich nicht für voll und glaubt mir nicht, dass ich eine allergische Reaktion oder was auch immer das ist, nur an den Handinnenflächen habe und sonst nirgendwo. Als es etwas Offensichtliches war, hat er mich ganz normal behandelt; doch jetzt, wo ich über zwei Monate auf einen Termin warten muss, wo doch schon längst die Reaktion verschwunden ist und ich ihm das erklären will, glaubt er mir nicht, tut die Sache einfach ab und behandelt einen auch nur wie ein Kind. Und will sinnlose Tests machen. Was soll das? Dumm bin ich doch längst nicht. Warum werden manche Ärzte so pampig, wenn man ein Mitspracherecht einfordert und von ihm Gebrauch macht?
Mein Hausarzt beispielsweise verschreibt mir grundsätzlich keine Antibiotika, seitdem ich meine colitis mit 14 bekommen habe, erst recht nicht. Als er aber im Urlaub war und ich krank wurde, musste ich zu seiner Vertretung damals. Obwohl es erst der dritte Tag meiner Grippe war, wollte sie mir direkt Antibiotika verschreiben, obwohl ich sie darauf hingewiesen habe, dass ich eine colitis habe, die bei der Einnahme solcher Präparate sich direkt zu Wort melde. Dabei bin ich doch nur in die Praxis für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gefahren, ich wollte mich Zuhause einfach auskurieren mit Ingwer-, Kamillen- und Holunderblütentee und so fort. Sie bestand jedoch darauf und ich weigerte mich; dementsprechend weigerte sie sich damals, mir meine AU auszustellen, ich wolle ja scheinbar nur "einen auf blau" machen und nicht schnellstmöglichst wieder arbeiten können. Das ging dann soweit, dass ich darauf bestanden habe, zu dem anderen Arzt, der mit meinem Hausarzt die Praxis teilt, wollte. Sie hat sich überaus beleidigt gefühlt (sicher, wenn ein einfacher, blöder Patient das Wissen des Arztes infrage stellt, geht das an den Stolz) und sich geweigert. Also bin ich persönlich nach vorne und habe darum gebeten. Mir wurde der Wunsch gewährt und ich habe problemlos eine AU und pflanzliche Hustenlöser für den festsitzenden Husten bekommen; und die Ärztin musste sich bei mir entschuldigen. Sie hatte nämlich nicht einmal meine Krankenakte angesehen.

Was ich nach all den Jahren noch immer nicht verstehe: Wieso gehen so viele Menschen scheinbar selbstverständlich davon aus, dass wenn einem gewisse Gliedmaßen fehlen, auch etwas von den geistigen Fähigkeiten fehlen muss?